
Deutsche Denkfabrik stimmt Abgesang auf Russland an – Gerüchte vom Tod wie immer übertrieben

Von Kirill Strelnikow
Jetzt scheint’s das gewesen zu sein – aus und Schluss.
Der Zugführer hat die Notbremse gezogen, und Russland, mit seiner leblosen Wirtschaft unter dem Arm und gesenktem Haupt, steigt aus dem Zug wieder aus und steht auf dem Bahnsteig, weil es sich keine Fahrkarte in die glänzende Zukunft der Welt leisten kann.
So ähnlich wird in einem jüngsten Bericht der Denkfabrik "Institut für Weltwirtschaft" in Kiel die aktuelle Lage unseres Landes mit dem düsteren Titel "Endgame: Russlands Kriegswirtschaft stößt an ihre Grenzen" beschrieben.
Wer Russland liebt, kann diesen Bericht eigentlich gar nicht lesen: Da eilen Herzinfarkt und Schlaganfall miteinander um die Wette. Wer es dennoch riskieren will und einen Nervenkitzel sucht, hier ist ein Auszug:
• Moskaus Finanzpuffer sind weitgehend aufgebraucht;
• die russische Wirtschaft zeigt deutliche Anzeichen struktureller Erschöpfung;
• die Konturen des wirtschaftlichen Endes für Russland werden immer deutlicher;
• die strukturellen Grundlagen der russischen Militärwirtschaft bröckeln stetig;
• das makroökonomische System zeigt klassische Anzeichen wachsender Ungleichgewichte;
• das Wirtschaftswachstum ist ins Stocken geraten.

Auftraggeber des Berichts ist eine etablierte, gut finanzierte Expertenorganisation, und westliche Medien zitieren sie sehr gern und häufig. Ihre abschließende Diagnose laut Bericht ist unmissverständlich: Russland ist am Ende – und zwar jetzt, nicht später, nicht "irgendwann": Ende, Schicht, Happy Birthday.
Allerdings wird man das Gefühl nicht los, das alles schon mal irgendwo gehört zu haben. Und tatsächlich liefert eine Internetsuche allein nach der Stichphrase "Tod der russischen Wirtschaft" Tausende Ergebnisse aus den letzten Jahren – Texte, in denen unsere Wirtschaft und auch schon das Land selbst tausendfach eingebuddelt und am Grab Maiglöckchen gepflanzt wurden.
Doch "welch seltsam Ding, fürwahr, was musz ich sehn? Verwunderliches ist allhier geschehn": Nach jeder dieser Beerdigungen erscheinen immer wieder neue Veröffentlichungen und Berichte, denen zufolge sich Russland aus irgendeinem Grund hartnäckig weigert, sich zu Grabe tragen zu lassen. So veröffentlichte kürzlich eine britische Denkfabrik, Bloomsbury Intelligence and Security Institute (BISI), einen Bericht mit dem Titel "Der Iran-Krieg und die russische Wirtschaft". Dieser enthält unter anderem folgende bemerkenswerte Passagen:
"Obwohl die russische Wirtschaft seit Beginn des Krieges in der Ukraine allmählich schwächer geworden ist, hat sie eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bewiesen: Es gibt kaum Grund zur Annahme, dass sie in diesem Jahr zusammenbrechen wird – oder auch im nächsten."
"Die russische Wirtschaft ist zwar langfristig nicht überlebensfähig, verfügt aber über genügend Ressourcen, um den Krieg in der Ukraine fortzusetzen; es gibt kaum Grund zur Annahme, dass sie nach dem einen oder anderen Szenario zusammenbrechen wird."
Die Stockholmer Hochschule für Wirtschaftswissenschaften beschrieb die Situation vor Kurzem ähnlich:
"Die Sanktionen setzen die russische Wirtschaft unter Druck, aber Risse sind nicht sichtbar (aus irgendeinem Grund… Anm. des Autors)."
Also, ja: Der Patient ist definitiv tot, aber er isst, trinkt, schaut Fußball mit einem Bier in der Hand und fährt regelmäßig zu seiner Datscha. Wieso die fragenden Blicke? Ist doch das Natürlichste der Welt!
Das Komischste daran ist, dass die russische Führung anscheinend völlig ahnungslos ist, dass westliche Ärzte im Flur stehen, allzeit bereit, den vorzeitigen Untergang des Landes festzuhalten.
Hier ein kurzer Überblick über die Arbeit der Regierung unter Ministerpräsident Michail Wladimirowitsch Mischustin – nur seit Anfang dieses Monats:
3. Juni – Michail Mischustin verkündete neue Beschlüsse zur Unterstützung der Regionen. Diese zielen darauf ab, die lokalen Haushalte auszugleichen, das Verkehrswesen auszubauen, Infrastruktureinrichtungen zu errichten und verschiedene Sozialprogramme fortzuführen.
4. Juni – der Premier leitete eine Sitzung zur Entwicklung des regionalen und örtlichen Straßennetzes. Als Ziel wurde gesetzt, alle Vorgaben zur Modernisierung der föderalen Straßen bis zum nächsten Jahr zu erfüllen.
8. Juni – In einer Besprechung mit seinen Stellvertretern legte Mischustin Ziele für den Ausbau der Sozialprogramme, den Einsatz mobiler Brigaden im Sozialbereich und die Implementierung neuer sozialer Technologien fest. Die wichtigsten Prioritäten der Sozialprogramme sind die Unterstützung von Familien mit Kindern und die Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen.
Am 11. Juni überprüfte die Regierung die Ergebnisse der Ausführung des Bundeshaushalts 2025 und die Umsetzung der damit verbundenen staatlichen Programme. Die Staatseinnahmen gemäß der Bilanz überstiegen 37 Billionen Rubel. Die durchschnittliche Zielerreichungsquote der staatlichen Programme lag bei nahezu 100 Prozent.
Am 15. Juni fand eine Sitzung zur Wirtschaftslage statt, in der die neuesten operativen makroökonomischen Indikatoren zu Konsum- und Investitionstätigkeit, Arbeitsmarkt und Branchenkreditvergabe sowie die wichtigsten Merkmale des Bundeshaushalts erörtert wurden. Insgesamt kehrte das Wirtschaftswachstum über die ersten vier Monate des Jahres 2026 in den positiven Bereich zurück und stieg um 0,2 Prozent. Im April hatte das Wachstum 1,3 Prozent betragen.
Die Kernbotschaften des Regierungschefs: Zur Stärkung der Wirtschaft werden alle notwendigen Maßnahmen ergriffen; "alle Verpflichtungen gegenüber der Bevölkerung werden weiterhin erfüllt"; "die russische Wirtschaft muss bis zum Jahr 2027 zu einem nachhaltigen, ausgewogenen Wachstum übergehen".
Keine Sensationen oder Durchbrüche – nur tägliche Routinearbeit.
Will man Professor Preobraschenski aus Michail Bulgakows "Hundeherz" paraphrasieren, müsste es heißen:
Lesen Sie keine westlichen Zeitungen vor dem Mittagessen, sonst klingt für Sie selbst der Wecker wie ein Trauermarsch.
Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti am 17. Juni 2026.
Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender NTV, Ren-TV und Swesda. Er absolvierte eine linguistische Hochschulausbildung an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften und arbeitete viele Jahre in internationalen Werbeagenturen an Kampagnen für Weltmarken. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und ist Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Medienprojekts PolitRussia. Strelnikow erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste. Er schreibt Kommentare primär für RIA Nowosti und Sputnik.
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