Europa

Litauen: NATO-Jet jagt Vogelschwarm

Die fälschliche Drohnensichtung löste eine Schließung des Flughafens Wilnius aus, erklärten die litauischen Behörden. Erst als das Kampfflugzeug bereits aufgestiegen war, wurde klar, dass es sich dabei nur um einen Vogelschwarm handelte.
Litauen: NATO-Jet jagt Vogelschwarm© Urheberrechtlich geschützt

Die litauischen Behörden berichteten, ein Kampfflugzeug der NATO sei aufgestiegen, nachdem ein Vogelschwarm mit Drohnen verwechselt worden war.

Es gab bereits eine Reihe von Vorfällen, bei denen ukrainische Drohnen den Luftraum von Litauen, Lettland und Estland durchquerten oder in diesen Ländern abstürzten, seit Kiew in den letzten Monaten seine Langstreckenangriffe auf Energieinfrastruktur in der Region Leningrad in Nordwestrussland verstärkte.

Am Sonntag sorgte eine vermeintliche Drohnensichtung für die Sperrung des internationalen Flughafens von Wilnius, berichtete das Nationale Krisenmanagementzentrum am Abend. Binnen 40 Minuten wurde er wieder geöffnet, nachdem ein NATO-Jet, der vom Luftwaffenstützpunkt Šiauliai im Norden des Landes gestartet war, festgestellt hatte, dass nicht eine Drohne, sondern ein Vogelschwarm den Luftalarm ausgelöst hatte.

Derzeit überqueren verschiedenste Zugvögel das Land, weitere derartige Vorfälle sind also keineswegs ausgeschlossen. Da die genaue Vogelart nicht genannt wurde, wird seither in sozialen Medien spekuliert, welche Vögel es gewesen sein könnten. Bisherige Favoriten sind Stare, Gänse und Kraniche.

"In ersten Radardaten können die Signaturen von Vögeln und Drohnen ähnlich sein", heißt es in der Erklärung.

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Šiauliai sind italienische Typhoon-Kampfflieger stationiert, die im Rahmen des NATO-Einsatzes zur Überwachung des baltischen Luftraums nach Litauen verlegt wurden. Eine Flugstunde eines Eurofighter Typhoon kostet etwa 56.000 Euro.

Im August erklärte die NATO, ihre Kampfflugzeuge hätten über Estland eine Drohne abgeschossen. Sie sei "infolge der Aktivitäten russischer elektronischer Kampfmittel" in den Luftraum des baltischen Landes eingedrungen.

Russland hat Litauen, Lettland und Estland vorgeworfen, mit Feuer zu spielen, indem sie zuließen, dass ihr Gebiet für feindliche Aktivitäten genutzt werde. Russische Regierungsvertreter warnten, wenn die baltischen Länder wissentlich ukrainische Drohnenangriffe erleichterten, werde Moskau sie als Komplizen des Angriffs betrachten und habe nach der UN-Charta das Recht auf Selbstverteidigung.

Der Fehlalarm in Litauen ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als Spekulationen über Vorfälle mit vermeintlich russischen Drohnen in ganz Europa blühten. Im Juli erklärte das Internationale Institut für Strategische Studien (IISS), bei 144 Gelegenheiten seien Überwachungsdrohnen in der Nähe von kritischer Infrastruktur, Flughäfen und Luftwaffenstützpunkten in Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und anderen Ländern gesichtet worden. Allerdings wurde keine dieser Drohnen je erbeutet, und Russland streitet jede Beteiligung ab.

Anfang des Monats erklärte die Bundesregierung, sie habe Gründe anzunehmen, Russland stecke hinter einem Vorfall, bei dem am 4. August zwischen ukrainischen Antonow-Transportflugzeugen auf dem Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff versehene Drohne gefunden worden sein soll. Berlin hat jedoch weder für die Existenz der Drohne noch für die vermeintliche Verbindung nach Russland irgendwelche Beweise vorgelegt. Der russische Präsident Wladimir Putin wies die deutschen Vorwürfe zurück und sagte, sie würden genutzt, um die Öffentlichkeit von den heimischen Wirtschaftsproblemen abzulenken.

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