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Stellvertretende Leiterin von Selenskijs Präsidialamt abgesetzt – gleich auf Mirotworez gelandet

In der Ukraine tobt ein neuer Korruptionsskandal um das engste Umfeld von Selenskij: Der Präsident hat bereits die Vize-Leiterin seines Büros, Irina Mudraja, entlassen – auch sie soll involviert sein. Zudem ist sie auf der Online-Abschussliste Mirotworez gelandet.
Stellvertretende Leiterin von Selenskijs Präsidialamt abgesetzt – gleich auf Mirotworez gelandet© Urheberrechtlich geschützt

Der amtierende ukrainische Präsident Wladimir Selenskij hat Irina Mudraja von ihrer Position als stellvertretende Leiterin des Präsidialamtes abberufen. Der Erlass wurde auf der Website des Staatsoberhauptes veröffentlicht und besagt kurz und knapp:

"Irina Romanowna Mudraja soll von ihrem Amt als stellvertretende Leiterin des Büros des Präsidenten der Ukraine entlassen werden."

Am Morgen des 19. August 2026 informierten der Nationale Anti-Kriminalitäts- und Sicherheitsoperationsrat (NABU) und die Spezialeinheit zur Bekämpfung organisierter Kriminalität (SAPO) der Ukraine über die Durchführung einer Operation zum Zerschlagen einer kriminellen Organisation, die unter der Führung aktueller und ehemaliger Abgeordneter und unter Beteiligung hochrangiger Beamter des Präsidialamtes ihr Unwesen treibe. Im Zuge dieser Operation sei Mudrajas Wohnung durchsucht worden, wie Alexei Gontscharenko, ein Abgeordneter der Werchownaja Rada, mitteilte.

Die Operation trage den Codenamen "Forrest Gump" in Anlehnung an den Oscar-prämierten Film des US-amerikanischen Regisseurs Robert Zemeckis, dessen Hauptfigur ein geistig behinderter Mann ist, gespielt von Tom Hanks. Die Antikorruptionsbehörden veröffentlichten eine Aufnahme, in der einer der Beteiligten sagt:

"Nur ein Schwachsinniger würde seinen Kindern die Veruntreuung von Geldern anhängen und sie für ihre Ausbildung bezahlen lassen." 

Daher sei die Person, um die es im aufgenommenen Gespräch geht, ein wahrhaftiger "Forrest Gump".

Ein weiterer Abgeordneter des ukrainischen Landesparlaments, Jaroslaw Schelesnjak, merkte an, dass auf neu veröffentlichten Aufnahmen, auf denen Gespräche von Personen mit den Pseudonymen "Forrest Gump" und "Private Ryan" mitgeschnitten wurden, auch auf den ehemaligen Energie- und Justizminister German Galuschtschenko Bezug genommen werde – eine Aktion zu dessen Rettung (darum wohl "Private Ryan") werde in den Gesprächen thematisiert.

Ukrainische Medien berichteten, dass die Ausbildung des Sohnes dieses ehemaligen Beamten am Elite-College Beau Soleil in der Schweiz (Kosten: ca. 180.000–200.000 US-Dollar pro Jahr) Gegenstand einer Untersuchung des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) war.

Zuvor hatte Schelesnjak Details der "Operation Forrest Gump" enthüllt: Die Sens Bank hätte dabei als Transaktionskanal zum Überweisen einer Kaution für Galuschtschenko dienen und Irina Mudraja diese Bank zu diesem Zweck weitestgehend unter Kontrolle bringen sollen – dies zumindest insoweit, um die Einwirkung anderer Machtstrukturen im Staatsapparat auf die Bank auszuschließen. Den Auftrag hierfür habe Mudraja von unbekannten Funktionären des ukrainischen Präsidialamtes erhalten.

Die persönlichen Daten von Irina Mudraja wurden derweil auch der öffentlichen Datenbank der umstrittenen ukrainischen Website Mirotworez (deutsch: "Friedensstifter") hinzugefügt. Dies entdeckten unter anderem die russischen Nachrichtenagenturen RIA Nowosti und TASS im Laufe ihrer redaktionellen Recherchen der Website-Daten. Mirotworez ist ein vom ukrainischen Innenministerium eingerichteter  und mit den Geheimdiensten und weiteren Sicherheitsstrukturen des Landes zusammenarbeitender   Internet-Pranger, der im Namen ukrainischer Nationalisten betrieben wird – und gleichzeitig als Liste zur physischen Liquidierung der eingetragenen Personen dient. Die Server des Dienstes stehen westlichen Quellen zufolge nicht in der Ukraine.

Eingetragen werden durch die Bank alle, die den Betreibern als der Sache der ukrainischen Nationalisten hinterlich auffallen oder die gemeldet werden – wegen "antiukrainischer Umtriebe" oder so deklarierten "Landesverrats". Auf der Liste stehen auch Jugendliche und sogar Kleinkinder.

Nach welcher Logik ein solcher Internetpranger eine Person aufnimmt und sie der Kriegsplünderung, des Diebstahls sowie der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung bezichtigt, ist erstmal unklar – bis einem auch der Vorwurf der "vorsätzlichen" Diskreditierung ukrainischer Regierungsbehörden in die Augen springt: Die zuvor genannten Dinge wären zweifelsohne als derartige Diskreditierung zu werten (vom Vorsatz einmal abgesehen) und über diesen Umweg für die Betreiber relevant.

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