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Schwedens neue Marinefregatten: Welche Gefahr sind sie für Russlands Baltische Flotte?

Voraussichtlich in nur vier Jahren werden zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder große Überwasserschiffe in die schwedische Marine aufgenommen. Was sind die Gründe für diese Beschaffungspläne, über welche Einsatzmöglichkeiten verfügen die Fregatten des FDI-Projekts, wo liegen ihre Stärken und Schwächen – und wie sollte sich die russische Baltische Flotte darauf vorbereiten?
Schwedens neue Marinefregatten: Welche Gefahr sind sie für Russlands Baltische Flotte?© Urheberechtlich geschützt

Von Alexander Timochin

Schweden beschafft zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder große Überwasserschiffe. Dabei handelt es sich um französische Fregatten, die von der Naval Group entwickelt und gebaut wurden und derzeit als FDI – Frégate de Défense et d'Intervention – bezeichnet werden. Übersetzt bedeutet dies "Fregatte für Verteidigung und Angriffseinsatz" oder, nach dem Namen des Führungsschiffs, Admiral-Ronarc'h-Klasse (auf Russisch: Fregatten vom Typ Admiral Ronarc'h). In Schweden sollen die Schiffe als Luleå-Klasse bezeichnet werden, also als Typ Luleå, benannt nach der gleichnamigen Stadt. Insgesamt werden die Schweden vier solcher Fregatten im Wert von rund fünf Milliarden US-Dollar erwerben; die Auslieferung der ersten Schiffe wird ab 2030 erwartet.

Dabei handelt es sich um die ersten großen Überwasserkampfschiffe der schwedischen Marine seit 1982, als Schweden seine beiden Zerstörer der Halland-Klasse außer Dienst stellte, und zugleich um die größten Schiffe seit der Ausmusterung des Panzerschiffs Gustaf V – eines Dampfturbinenschiffs, das von 1918 bis 1970 im Dienst stand. Eine bemerkenswerte Einzelheit: Dieses Schiff konnte bis zum Ende seiner Dienstzeit noch Kohle als Brennstoff verwenden. Die französischen Fregatten werden jedoch völlig anders sein.

Es ist nicht genau bekannt, welche Unterschiede das schwedische Projekt im Vergleich zum französischen aufweisen wird. Schweden gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Torpedos, Seezielflugkörpern und Schiffsartillerie. Daher ist gut möglich, dass Waffensysteme wie die Torpedos MU90, die Seezielflugkörper Exocet MM40 Block 3 und die 76-Millimeter-Schiffskanone OTO Melara Super Rapid durch schwedische Systeme ersetzt werden, ebenso wie ein Teil der übrigen Schiffssysteme.

In gewisser Weise handelt es sich bei der FDI um eine typische Fregatte: Zur Standardausrüstung gehören Bug- und Schleppsonar zur U-Boot-Ortung, leichte U-Boot-Abwehrtorpedos, ein Flugabwehrraketensystem, ein Mittelkalibergeschütz am Bug, automatische kleinkalibrige Flugabwehrkanonen, ein U-Boot-Abwehrhubschrauber im Hangar sowie leichte subsonische Seezielflugkörper.

Die Wasserverdrängung beträgt rund 4.500 Tonnen, die Höchstgeschwindigkeit bis zu 27 Knoten. Diese Geschwindigkeit wird übrigens trotz einer für ein Schiff dieser Größe nicht besonders hohen Maschinenleistung erreicht, was offenbar auf die besondere Rumpfform zurückzuführen ist, etwa auf den negativ geneigten Vorsteven.

Entscheidend für die Effizienz dieses Schiffes sind – neben der Qualität der westlichen Elektronik – vor allem der Radarkomplex und die zum Einsatz stehenden Flugabwehrraketen.

Der Radarkomplex der Fregatte – Thales Sea Fire 500 – kann Aufgaben übernehmen, für die auf anderen Schiffen mehrere verschiedene Radaranlagen erforderlich sind: Ein einziges System mit phasengesteuerten Antennenarrays übernimmt hier die Luftraumüberwachung, die Steuerung der Flugabwehrraketen, die Erfassung von Überwasserzielen sowie die Bereitstellung von Daten für die Zielzuweisung an Seezielflugkörper. Der Radarkomplex kann gleichzeitig bis zu 800 Ziele verfolgen; die maximale Erfassungsreichweite gegen hochfliegende Ziele beträgt bis zu 300 Kilometer.

Eine weitere Stärke dieses Schiffes sind die Flugabwehrraketen vom Typ Aster 15 und Aster 30. Diese Raketen verfügen sowohl über eine autonome Radarzielsuche im Endanflug als auch über eine Trägheitsnavigation mit Funkkorrektur, durch die sie in den vorausberechneten Zielraum geführt werden.

Die Besonderheit der Aster-Rakete liegt in ihrer Fähigkeit, Manöver mit hohen G-Belastungen auszuführen, sowie in ihrer hervorragenden Aerodynamik. Das macht sie für jedes Luftziel äußerst gefährlich. Die Reichweite der Rakete beträgt bis zu 120 Kilometer. Man kann davon ausgehen, dass die schwedischen Fregatten 32 solcher Raketen an Bord haben werden. Dieses Schiff stellt eine echte Bedrohung für die Luftstreitkräfte dar, sofern sein Kommandant keine groben Fehler begeht.

Der Schwachpunkt dieser Fregatte besteht darin, dass sie entweder überhaupt nicht in der Lage ist, einen Raketenangriff gegen Landziele durchzuführen, oder – bei einer anderen Zusammensetzung der Raketenbewaffnung – nur minimale Einsatzmöglichkeiten aus geringer Entfernung bieten würde. Im Falle Schwedens muss diese Aufgabe jedoch nicht zwingend von Schiffen übernommen werden: Dafür gibt es die Luftwaffe und die NATO-Verbündeten. Zumal diese Schiffe gerade deshalb beschafft werden, um Schwedens Rolle im Bündnis zu stärken.

Der NATO-Beitritt Schwedens und die aktive Unterstützung der Ukraine lösten bei einem Teil der schwedischen Bevölkerung einen Ausbruch militärischen Eifers aus. Die jahrelange Propaganda der "russischen Bedrohung" führte in Schweden nach dem NATO-Beitritt zu einem kollektiven Ehrgeiz, ebenfalls so "cool" zu sein wie andere NATO-Staaten: Truppen hierhin und dorthin zu entsenden und vielleicht sogar "ein wenig" Krieg zu führen.

Diese Tendenz zeichnete sich schon lange vor der militärischen Sonderoperation in der Ukraine ab. So stammt beispielsweise der detaillierteste öffentlich zugängliche Bericht über einen Durchbruch der Verteidigung Kaliningrads von See und aus der Luft aus Schweden. Veröffentlicht wurde er bereits mehrere Jahre vor Beginn der militärischen Sonderoperation.

Bezeichnend ist, mit welch großer Begeisterung Schweden, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr mit Russland im Kriegszustand war, aus Russland kommende (oder nach Russland fahrende) Schiffe anhält. Es wirkt, als wollten die Schweden nach Jahrhunderten der Neutralität wieder in den weltgeschichtlichen Prozess eintreten.

Die Beschaffung neuer Fregatten ist sowohl eine direkte Folge dieser Bestrebungen als auch ein Mittel zu ihrer Umsetzung. Europäische Medien beschreiben ihren Einsatzzweck als "Missionen in der Nordsee, im Mittelmeer und im Roten Meer." Die Schweden werden versuchen, den "alten" NATO-Mitgliedern gleichzukommen und zu demonstrieren, dass sie nun auch keine unbedeutende Größe mehr darstellen und in der Lage sind, ihre Schiffe an einen beliebigen Ort zu entsenden – zum Beispiel, um die Huthis einzuschüchtern.

Es ist jedoch offensichtlich, dass diese Fregatten auch auf einem weiteren Meer eine Rolle spielen sollen – nämlich in der Ostsee. Schweden verhält sich unserem Land gegenüber provokativ und wird nicht abseitsstehen, wenn es um eine antirussische Aktion in der Ostsee geht. Sollte in dieser Region ein Krieg ausbrechen, wird Schweden sich mit ziemlicher Sicherheit daran beteiligen, unabhängig davon, ob wir den Schweden drohen oder nicht.

Russland verfügt in der Ostsee über keine Schiffe mit vergleichbaren Leistungsmerkmalen. Alle unsere Schiffe in dieser Region sind derzeit weniger leistungsfähig, älter und haben eine geringere Wasserverdrängung. Der einzige entscheidende Vorteil der russischen Baltischen Flotte gegenüber der schwedischen Marine, den diese Fregatten nicht ausgleichen können, ist die Fähigkeit, mit Kalibr-Marschflugkörpern aus großer Entfernung Schläge zu führen.

Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Schweden die Fregatten als Hauptangriffsmittel einsetzen wird. Den NATO-Doktrinen zufolge sind die wichtigsten offensiven Mittel in der Seekriegsführung Kampfflugzeuge und U-Boote. Schiffe hingegen dienen der Kontrolle und Sicherung von Seegebieten, der U-Boot-Abwehr und dem Schutz der Schifffahrt.

Dennoch wird sich das Kräfteverhältnis in der Ostsee mit dem Erscheinen dieser Fregatten verändern. Die Besonderheit unseres Marineaufbaus der letzten Jahre besteht darin, dass in der Ostsee die Luftstreitkräfte und Küstenraketensysteme unsere stärksten Mittel gegen Schiffe darstellen. Gegen beides sind die neuen Fregatten gut geschützt.

Das macht sie weder unverwundbar noch zu Superwaffen. Die Gefahr, die von diesen Schiffen ausgeht, insbesondere für die Luftstreitkräfte, sollte jedoch berücksichtigt werden.

Und obwohl eine Seeschlacht zwischen unseren Schiffen und den schwedischen eher unwahrscheinlich ist, ist sie dennoch nicht ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang sollte man bedenken, dass die Baltische Flotte im Rahmen ihrer Manöver bisher noch nicht auf solche kleinen Raketen geschossen hat, die in einer Höhe von fünf bis sechs Metern fliegen und mit denen die schwedischen Fregatten nun ausgerüstet sein werden. Lediglich bei der Abnahme einzelner neuer Schiffe wurden Schüsse auf Zielraketen ähnlicher Größe abgefeuert. Das ist jedoch nicht ganz dasselbe.

Die Beschaffung neuer Fregatten durch Schweden ist ein weiterer Anlass, an die Bedeutung der Beschaffung kleiner, niedrig fliegender, schwer erkennbarer, massenproduzierter und kostengünstiger Zielraketen für alle unsere Flotten sowie an die Durchführung von Flugabwehrübungen gegen diese zu erinnern. Dabei muss geübt werden, massierte Angriffe eines hypothetischen Gegners unter verschiedenen Szenarien, bei intensiver Störung und unter möglichst kampfnahen Bedingungen abzuwehren. Die Schweden werden, wie jeder andere Gegner auch, nur so stark und gefährlich sein, wie wir es ihnen selbst erlauben – und ihre neuen Fregatten werden daran nichts ändern.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 20. Mai 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Alexander Timochin ist ein russischer Journalist, der Artikel zu militärtechnischen Themen schreibt, hauptsächlich über die Marine.

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